2015 09 30 hoehenring

Als Jahresabschluss für einige Aktive des Radsportvereines wurde wieder einmal der SHR geplant. Mitfahren konnte jeder, der einen ausreichenden Trainingszustand hat und sich im Gelände über längere Distanzen wohlfühlt.

Aussteigen kann auch jeder, wenn er merkt, dass „ heute nichts läuft“, er / sie sich überfordert fühlt und die Gruppe immer wieder warten muss.

Ziel sollte es sein, diese anspruchsvolle Strecke, als Original, also inklusive der vielen Trails und Wurzelpassagen, mit heftigen, teils nicht fahrbaren Steilanstiegen, in einer Tagesetappe zu absolvieren. Für dieses Highlight hatten sich 11 Vereinsmitglieder bei Organisator Erhard Hofmann angemeldet, um die 143 Km mit 3700 Hm in Angriff zu nehmen.

Mit dabei waren die Vereinskollegen der MTB-Truppe, Maren Flender, Jürgen und David Gaßmann, sowie Abaz Karajica, Seniorenrennfahrer Johannes Weber, Juniorenrennfahrer Felix Weber und die Triathleten Sonja Herweg, Andreas Klappert, Jürgen Große Gehling, Jens Kanis, Michael Müller und Erhard Hofmann. Bis auf 3 Wiederholungstäter war es für alle anderen eine Herausforderung, die entweder die Zeit, oder die Distanz bis dahin noch nicht an einem Stück bewältigt hatten.

Die Gruppe startete in Hünsborn und sollte möglichst auch als solche das Ziel im Stollenweg unversehrt wieder erreichen. Der Wettergott hatte herrliches Herbstwetter prognostiziert, sodass dem Start am Samstag, den 26.09. nichts mehr im Wege stand.

Dank unserer lieben Frauen konnten 2 Verpflegungsstationen geplant und vorbereitet werden. In Grossenbach und Freusburg sollte es neben Wasser auch Riegel, Gels und isotonische Getränke geben.

Bei trockenem Wetter, aber kühlen 7° C ging es um 06:30 Uhr los. Starke Bewölkung machte den Einsatz der mitgebrachten Akkubeleuchtung notwendig. Gefahren wurde im Uhrzeigersinn, also Richtung Krombach, Welschen-Ennest, Lützel. Da die ersten 10 Km breite Waldautobahnen sind, konnten wir mit dieser Beleuchtung unsere Gruppe sicher bis ins erste Tageslicht bringen. Sonja, eigentlich eine ausdauernde und starke Fahrerin, musste leider schon nach der Krombacher Höhe aussteigen, da sie sich bereits nach wenigen Kilometern überfordert fühlte. Die Tagesform und das Körpergefühl müssen natürlich auch stimmen. Schade, aber vielleicht steigt sie beim nächsten Mal wieder ein um zumindest weitere Teilstücke mit zu fahren.

Ab dem „Ewigen Fuhrmann“ ging es dann langsam zur Sache. Durch den Regen der letzten Tage, war der Waldboden teilweise nass und tief und in manchen Stücken hatte man das Gefühl, man wird vom Untergrund fest gehalten. Bis auf eine kleine Umleitung wegen Holzrückarbeiten auf Höhe Hasenbahnhof konnte der Originalweg gefahren werden.

Mit ca. 20 Minuten Rückstand auf das erreichen unseres 1. Zwischenzieles kamen die 11 in Grossenbach an. Silvia Burgert und Geli Hofmann hatten alles parat um die Biker nach 3:40 erstmals zu verpflegen. Die von Silvia gebackenen Kuchen hatten die größte Anziehungskraft, sodass der eine oder andere daran erinnert werden musste, auch den Vorrat an isotonischem Getränk, Riegeln und Gels aufzustocken, bevor es nach einer knappen halben Stunde wieder in den Sattel ging.

Bei immer noch 8° und wolkenverhangenem Himmel ging es weiter, vorwiegend auf schmalen Wegen mit endlosen tollen, sehr anstrengenden Wurzelpassagen. Dieser Teil kostete richtig Körner und ging aufs Material. Michael Müller musste nach diesem Wegstück aufgeben. Auf Grund eines irreparablen Defektes am Hinterrad konnte er sein Rad nur noch vorsichtig bis zum Lahnhof bewegen um sich dort abholen zu lassen. Michael war total deprimiert und enttäuscht, wir hoffen aber alle, dass er beim nächsten Start wieder dabei ist.

Auf dem langen abfallenden Teilstück Richtung Würgendorf musste ein weiterer kurzer Halt eingelegt werden. Andreas Klappert hatte seine Werkzeugtasche verloren. Nach der rasender Abfahrt über sehr steinige und felsige Wege, ist bei einem kurzen Stopp zum Sammeln der Mitfahrer aufgefallen, dass einer fehlt. Gut 1,5 Km hat der Geit zurückgelegt, um den „Vermissten“ einzusammeln und zur wartenden Truppe zurück zu führen. Nach einer kurzen angefressenen Phase nahm Andreas wieder Fahrt auf und kompensierte sein Tagestief mit auf einmal ungeahntem neuem Wind, der immer mehr Spaß an dieser Tour fand. Mit jedem Kilometer mehr wurden die ungeübteren sicherer und liesen die Gruppe immer mehr zusammen wachsen.

Die Gespräche untereinander wurden weniger, jeder horchte ein wenig mehr in sich hinein. Fast alle hatten während der Tour ein Tief, welches überwunden werden musste. Gegenseitige Kontrolle, warten auf den Mitfahrer nach dem Anstieg, Verschnaufpausen für alle und Wechsel der stärkeren und schwächeren Fahrer an der Spitze des kleinen Feldes, formte die Truppe zu einem kleinen kompakten Feld.

Nach weiteren 60 Km und ab Herdorf recht anspruchsvollen langen steilen Passagen kam die Gruppe erschöpft aber gemeinsam in Freusburg an. Der letzten langen Anstiege und der Teerweg hinauf zur Jugendherberge mit bis zu 20% lies aus den Gesichtern nichts Gutes ablesen. Die Aufgabe bzw. der Abbruch beim nächsten Stopp war an den Augen zu erkennen.

Dann stand Silvia mit der nächsten Verpflegung parat. Innerhalb von Minuten hellten sich die Gesichter auf, lockere flotte Sprüche heiterten die Stimmung und den Willen, „die letzten 30 Km packen wir auch noch“ auf. Der Kuchen und der mitgebrachte Kaffee liesen die letzten Zweifler spontan umschwenken. Nach ausreichender Versorgung ging es auf das letzte Teilstück.

Alle hatten ihre Reserven fast aufgebraucht, aber die Truppe blieb zusammen. Normalerweise kämpft jeder für sich und die Gespräche untereinander finden nur noch sporadisch oder gar nicht statt. Fehlanzeige: jeder pushte den anderen und trieb ihn dazu, auch noch die letzten Km durch zu halten. Selbst am letzten Knüppel, den langen Anstieg hinter der Burg Wildenburg ließ die Gruppe nicht auseinanderbrechen.

Um 18:15Uhr, nach 9h und 4 Minuten reiner Fahrzeit waren die RSV-ler wieder in Hünsborn. Es waren nicht die besten Wetterbedingungen, es hätte ruhig ein klein wenig wärmer sein können, aber alles in allem ein sehr guter Tag.

David Gaßmann fährt erst seit einem knappen Jahr in der MTB-Truppe und hat als längste Einheit mal 90 Km unter die Räder gebracht. Unglaublich, mit welcher Willenskraft er immer wieder an uns herangefahren ist. Angenockt, aber immer noch einen flotten Spruch drauf, lies er nicht zu, die Segel zu streichen. Hut ab vor so einer ausgesprochenen tollen Leistung.

Sein Vater Jürgen fuhr sehr stark und wurde mit zunehmender Streckenlänge immer ausdauernder.

Andreas und Jens hatten es sich auch nicht zugetraut komplett durch zu fahren und es dennoch geschafft. Mit jedem Km das sie dem Ziel näher kamen, wurde der Wille zum Durchhalten stärker.

Maren hatte nach einem verletzungsbedingten ruhigen Jahr ein sehr gutes Gefühl, es geschafft zu haben.

Abaz ist stark gefahren und zum Schluss hatten wir das Gefühl er könnte noch einige Km mehr vertragen.

Johanns Weber drückte immer wieder aus Tempo, da für den Abend noch eine Party angesagt war. Dennoch wollte er alle Passagen des Originalweges fahren.

Jürgen hatte ebenfalls höllischen Respekt vor dieser Tour. Ein „Schleicher„ im Hinterrad kostete zusätzliche Energie, bis der Defekt behoben war. Aber die Entwicklung von ihm in diesem Jahr lies einiges an Ausdauerleistung vermuten.

Felix Weber sprühte nur so vor Energie. Zwar hatte auch er einen Totpunkt, konnte sich aber durch ausreichende Verpflegung und positive Gedanken immer wieder neu motivieren und uns in der Truppe zusammen halten.

Es war ein sehr schöner Tag, mit einer tollen, sehr ausgeglichenen Mannschafft, die sich gegenseitig unterstützt und Kraft gegeben hat. Mit einem abschließenden Weizen [alkoholfrei] wurde noch ein wenig gefachsimpelt und dann die Heimreise angetreten.

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